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Ein Beitrag zur ‚Willkommenskultur‘?

2015 17. September
von Martin Löschmann

Dr. Marianne Löschmann schrieb diesen Begleitbrief an das BAMF – Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in Nürnberg am 1. September 2015

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir möchten Ihnen angesichts der neueren Entwicklungen und der zu bewältigenden Aufgaben im Hinblick auf die zunehmenden Flüchtlingsströme einen Vorschlag zur Gestaltung des notwendigen sprachlichen Ersteinstiegs unterbreiten:
Wir, das sind mein Mann, Dr. Martin Löschmann, und ich, würden – so ein solches Projekt noch nicht in Arbeit bzw. Auftrag ist – als unseren Beitrag zur Ausgestaltung der Willkommenskultur in ehrenamtlicher Arbeit einen kleinen Sprachführer, unmittelbar auf die Kommunikations- und Informationsbedürfnisse der Asylbewerber zugeschnitten, verfassen (s. Anlage), den die Asylbewerber nach Aufnahme in ihren Unterkünften in die Hand bekommen könnten, wenn das BAMF Druck und Verteilung organisierte.

Seit 1993 arbeite ich auf dem Gebiet Deutsch als Zweitsprache, unterrichte in Integrationskursen, in den letzten Jahren verstärkt in Alphabetisierungskursen, am IIK Berlin, das solche Kurse im Auftrag des BAMF veranstaltet, halte Seminare im Rahmen der Weiterbildung des BAMF für Lehrkräfte in Integrationskursen und leite seit Jahren solche Maßnahmen für Lehrkräfte in der Alphabetisierungsarbeit. In diesen Kursen führt auch mein Mann Seminare durch.

Was wir im Rahmen des  Projektes über unsere kostenfreie Arbeitsleistung hinaus nicht bewältigen könnten und wozu wie Ihre Unterstützung in Form einer Kostenübernahme brauchten:
Wie den konzeptionellen Vorstellungen (s. Anhang) zu entnehmen, wären

– Übersetzungsleistungen sowie

– Visualisierungen in Form von einfachen Zeichnungen durch einen Grafiker erforderlich.

Wir wissen natürlich, dass Sie mit den gegenwärtigen Anforderungen hochgradig überlastet sind, wären Ihnen jedoch verbunden, wenn Sie auf unsere Initiative reagieren würden.

Mit freundlichen und kollegialen Grüßen

Marianne Löschmann

 

Hier die konzeptionellen Vorstellungen:

Sprachführer für Asylbewerber und -bewerberinnen

Ausgehend von der Tatsache, dass nicht zu erwarten ist, dass Asylbewerber und -bewerberinnen gleich vom Anfang ihres Aufenthaltes in Deutschland an Sprachunterricht bekommen können, wird vorgeschlagen, einen spezifischen Sprachführer für Asylbewerber zu schaffen. Er wird verstanden als Teil der notwendigen und selbstverständlichen ‚Willkommenskultur‘.

Ziel des Sprachführers ist es, den Asylbewerbern eine erste sprachlich-kommunikative Orientierung zu geben. Es werden existentielle kommunikative Grundsituationen ausgewählt und mit typischem Sprachmaterial belegt, das ihnen erlaubt, einerseits das eine oder andere wesentliche Wort bzw. Redemittel hörend zu verstehen und sprechend zu verwenden (Entschuldigen Sie bitte.) und andererseits wenigstens den zur Orientierung erforderlichen Sichtwortschatz (Haltestelle, Post).

Zugleich werden erste landeskundliche/interkulturelle Orientierungs-Informationen in einfacher/vereinfachter Sprache gegeben (die natürlich übersetzt angeboten werden – s.u.): Personen, mit denen Asylbewerber konfrontiert werden, Unterbringung, Asylersuchen, Anerkennung und Ablehnung, Einkaufsmöglichkeiten, Arbeitserlaubnis, Schule, Kindergarten.

Der Sprachführer muss handlich und einfach strukturiert sein. Alle wesentlichen Sprachmittel und Informationen werden auch in Übersetzung am jeweiligen Ort gegeben. Der Umfang sollte 50 bis 60 Seiten nicht überschreiten.

Zunächst sollte ein Prototyp geschaffen werden, angesichts der gegenwärtigen Flüchtlingssituation, in Arabisch sowie Englisch als Mittlersprache. Später können weitere Sprachpaare in Angriff genommen werden.

Der Sprachführer enthält:

  1. Angabe des Themas/die kommunikative Grundsituation und die jeweiligen (einfachen) Redemittel zu deren Bewältigung
  2. Hinweise zur Aussprache
  3. dazu eine CD/USB-Stick mit Angaben zur Aussprache und hier auch elementare Nachsprechübungen
  4. Landeskundliche/interkulturelle Informationen
  5. Hinweise ‚unter dem Strich‘
  6. Klare/eindeutige Visualisierungen.

 

 

 

 

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