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Das Herder-Institut als Vorstudienanstalt

2011 7. Februar

Wer sich für das Anliegen des Blogs interessiert, müsste den entsprechenden Beitrag aufrufen. Wer für einen der anderen Einzelbereiche – Deutschlehrer-Fortbildung, Forschungsabteilung,  internationale Beziehungen  – Interesse hat, findet die Beiträge dazu unter den jeweiligen  Stichwörtern.

Dein Wesen ist dein Beruf. Was keiner als du tun kann und soll, das tue, so hast du recht.  (Herder)

Im afrikanischen Jahr der Befreiung war ich vom damaligen stellvertretenden Direktor Paul Leonhardt – später Dr. Leonhardt – aus enger kaderpolitischer Sicht abgelehnt worden. Meine Herkunft als Sohn eines Großbauern aus Hinterpommern entsprach ganz offensichtlich nicht den Anforderungen. Außerdem waren bis zu diesem Zeitpunkt nur Absolventen eingestellt worden, die einen Abschluss als Erwachsenenbildner hatten, mein Examen wies mich indes als Lehrer für die Oberstufe (Gymnasialstufe) aus. Wolfgang Brunner, Reinhard Günter, Lothar Schmidt u. a., mit denen ich studiert hatte, waren sogenannte Erwachsenenbildner.

Ich hatte Glück, Frau Prof. Katharina Harig, erste Direktorin des Instituts, erfuhr von meiner Ablehnung, ließ sich meine Bewerbungsunterlagen kommen, und ich wurde trotz der Bedenken des Kaderchefs eingestellt. Mein zweites Studienfach Englisch spielte dabei sicher eine nicht geringe Rolle, denn auf Fremdsprachenkenntnisse ihrer Mitarbeiter legte sie großen Wert. Deshalb lernten die Lehrkräfte eifrig Fremdsprachen, u. a. Chinesisch, Indonesisch, Koreanisch, Vietnamesisch. Kaum war ich am Institut, bat sie mich, für die Angestellten, einen Englischkurs einmal wöchentlich vor Arbeitsbeginn durchzuführen – es verstand sich: zusätzlich zum auferlegten Arbeitspensum.

Ich werde also ein Jahr nach Abschluss meines Examens 1961 als „einfacher Lehrer“ eingestellt, trete gemeinsam mit mehr als zehn Absolventen die neue Arbeitsstelle enthusiastisch an. Lehrerinnen und Lehrer wurden dringend gesucht, denn die Zahl der Studierenden wuchs in dieser Zeit rasant und überschritt 1960/61 die sechshundert. Ich erlebe den Aufbau und Ausbau des Herder-Instituts und stelle fest, hier wirst du gebraucht, hier wird von dir kreative Arbeit verlangt. Vom ersten Tage an fühlte ich mich aufgenommen und angenommen. Ich bin sicher, dass Frau Professor Harig, gerade mal drei Jahre als Direktorin im Amt, einen nicht unwesentlichen Anteil an dieser Aufbruchsstimmung hatte. Geflohen vor der Gestapo, emigriert in die Sowjetunion, wo sie als Mathematik- und als Sprachlehrerin für allgemeinbildende Schulen, aber auch an einem Pädagogischen Technikum und einer Universität tätig gewesen war, wurde sie mit der auch für sie neuen Leitungsaufgabe betraut. Als hoch gebildete und erfahrene Pädagogin konzentrierte sie sich zunächst nur auf den Aufbau der Ausbildungsstätte und hatte weniger eine wissenschaftliche Fundierung des Unterrichts im Auge, wohl aber die schöpferische pädagogische Arbeit. Andere mögen es anders sehen, für mich war es die richtige Direktorin zur rechten Zeit. Ihre Couragiertheit, ihre pädagogischen Erfahrung, ihre Schlagfertigkeit und Offenheit gab ideologischer Borniertheit wenig Raum. Sicherlich waren es auch solche Persönlichkeitsmerkmale, die die Freundschaft des Professorenehepaares Harig mit den berühmten Leipziger Professoren Hans Mayer, Ernst Bloch und Walter Markov begründete. Prof. Mayer hat ihr in seinem Buch „Zeitgenossen“ ein würdiges Denkmal gesetzt. Ich glaube, es geht über den Horizont einiger der neuen Kenner des Herder-Instituts hinaus, wenn sie, die erste Direktorin, in einer illustren Gesellschaft bei Mayer versammelt sehen: Adorno, Canetti, Celan, Döblin, Eisler, Giehse, Hermlin, Weiss u. a.
Bewundert und zugleich gefürchtet waren die sogenannten Vorstellungsrunden im Direktorenzimmer. Nachdem man eine Studentengruppe vier bis sechs Wochen geführt hatte, musste man sie ihr vorstellen und dabei unter Beweis stellen, dass man seine Gruppe gut kannte: Namen (richtig aussprechen!), Herkunftsland, Ausgangssprachen (was wusste man über sie), soziales Umfeld, Lerneinstellung, angestrebte Studienfächer, besondere Vorkommnisse, Betreuungsaktivitäten u.a.m. Dreimal hatte ich das Vergnügen, sie war immer vorbereitet, hatte die Unterlagen der Studierenden für sich aufbereiten lassen, sie stellte ihre eigenen Fragen, die die ausländischen Studenten aufhorchen ließen. Hinterher wurde ausgewertet, ohne die Studenten natürlich. Sie konnte fuchsteufelswild werden, wenn sie feststellen musste, dass die Studenten Probleme hatten, die der Lehrer nicht kannte. Zwei aus meiner besten Gruppe, einer Gruppe indischer Doktoranden, erwähnten in bestem Englisch, dass sie noch keinen Doktorvater hätten. Ich hatte vergessen, dieses gravierende Problem in meiner Vorstellung der Gruppe zu benennen. Ob ich denn wüsste, wie wichtig die Doktoranden für das Ansehen der DDR seien, es gäbe in der DDR genügend Professoren, die ausländische Doktoranden gern betreuen. Ob ich den Verantwortlichen für die Gewinnung von Betreuern überhaupt kennen würde. „Warum haben Sie sich nicht mit ihm in Verbindung gesetzt?“ Herzlosigkeit warf sie mir vor, fast alle Doktoranden haben zu Hause Familie, wollen schnell zurück. „Ich werde mich persönlich um die Sache kümmern, das entbindet Sie aber nicht, sich in gleicher Richtung in Marsch zu setzen.“ Mein Hinweis darauf, dass Herr Siegfried Probohl, verantwortlich für die Vermittlung der Studierenden an die entsprechenden Hoch- und Fachschulen, über die fehlenden Betreuer informiert ist, ging in ihrem Wortschwall unter.

Ich hatte schon begriffen, warum sich im Herder-Institut Sprach-und Betreuungsarbeit auf natürliche Weise so eng verbanden. Im Grunde genommen folgten wir ihrem Programm, das Prof. Mayer als „ein idealistisches“ bezeichnet, „doch sie hat daran geglaubt, und sie hat sich daran gehalten“, ich wie viele meiner Kollegen übrigens auch: „Wir wollen keinem unserer ausländischen Gäste unsere Meinung aufoktroyieren, aber wir wollen ihm helfen, die wirtschaftliche und geistige Situation in der DDR kennenzulernen und zu verstehen. Wir betrachten es als unseren Auftrag, unseren Studierenden zu helfen, geistig allseits entwickelte Persönlichkeiten zu werden, die ihrer Heimat treu bleiben und dorthin nicht als ‚Nur-Fachleute zurückkehren.“ (Mayer in seinem erwähnten Buch.)

Man hat diese Betreuung nicht nur einmal verunglimpft, sie als Gängelei, als Abschottung vor der

Internat „Straße des 18. Oktober“

Außenwelt, als Teil der ideologischen Indoktrinierung bezeichnet. Was immer sie war, sie war ein wesentlicher Bestandteil der Eingewöhnung, der Vorbereitung auf das Studium. Die meisten zukünftigen Studenten waren zum ersten Male im Ausland, weit vom Elternhaus und ihrer Kultur entfernt, kaum über 18 Jahre, in keiner Weise vorbereitet auf das für sie große unbekannte Abenteuer. Die Gefahren für sie auch in einem sozialistischen Land waren nicht von der Hand zu weisen. Die Studierenden galten – sicherlich politisch hochstilisiert – als Repräsentanten der jeweiligen Länder, und es wurde sehr viel dafür getan, Konfliktsituationen zu vermeiden. Dass generell versucht wurde, die Beziehungen der ausländischen Studierenden zu den „Einheimischen“, die Mensch-zu-Mensch-Beziehungen zu kontrollieren, soll nicht abgestritten werden. Aber war denn die Kontrolle überhaupt erfolgreich? Bei uns zu Hause gingen Ausländer ein und aus, auch dann, als uns noch in den 80er Jahren vom Verantwortlichen für internationale Beziehungen bedeutet wurde, Arbeitskontakte seien keine Privatkontakte.

Zu den nachhaltigen Erlebnissen der Studierenden gehörten gewiss die Winterlager im Erzgebirge und im Thüringer Wald. Eines dieser Winterlager habe ich mal leiten müssen. Meine Bedenken, ich könne ja nicht einmal Schi fahren, wurden zerstreut. Ich habe es dann zusammen mit den ausländischen Studenten – nach heimlichen Trockenübungen zu Hause – unter der Anleitung eines unserer Sportlehrer mit viel Spaß gelernt. Ja, der gesamte Bereich der außerunterrichtlichen Arbeit nahm am Institut einen umfänglichen Raum ein. Man wird es kaum glauben, am Institut war nicht nur ein Sportlehrer tätig; auf sportliche Aktivitäten wurde großer Wert gelegt, auch wegen ihrer sozialen Komponente. Es gab extra einen Verantwortlichen für die außerunterrichtliche Arbeit über Jahre hinweg, lange Zeit Dr. Günter Pallas, der in den fünfziger Jahren in der Bundesrepublik gegangen, dann aber wieder zurückgekehrt war.

Als ich ans Institut kam, hatte man schon erste eigenständige Schritte im Deutschunterricht für ausländische Studierende hinter sich. Das sowjetische Deutschlehrbuch, das der grammatikalisierenden Übersetzungsmethode verpflichtet war und natürlich auch von den Inhalten her nicht in die DDR-Landschaft passte, war bereits zur Seite gelegt worden. Man wollte eine eigenständige und wirkungsvolle Stätte zur sprachlichen und fachlichen Vorbereitung auf ein Studium in der DDR schaffen. Dabei waren Neulehrer und Neulehrerinnen, über die man noch heute so gern lächelt, Strittmatter charakterisierte sie als die Lehrer, die Bluhme mit h schreiben. Wie sehr diese Neulehrerbewegung ein Kind der Nachkriegszeit und zeitlich begrenzt war, wurde mir so recht deutlich, als ich erst vor kurzem auf die klare Bestimmung stieß, dass diese Neulehrer, die kurz nach dem Krieg im Eilverfahren ausgebildet worden sind, bis 1954 eine dreijährige Lehrerausbildung erfolgreich bestanden haben mussten, anderenfalls wurden sie entlassen. Die Gewinnung und Ausbildung von Neulehrern sowie die besondere Förderung der Arbeiter- und Bauernkinder gehören für mich zu den nicht wegzudiskutierenden Leistungen. Ursula Förster ist ein aufschlussreiches Beispiel, das ich mit Bedacht wähle. (Ich hätte selbstverständlich auch Joachim Buscha nehmen können, auch er begann seine Laufbahn als Neulehrer für Russisch allerdings. )1944 Abitur, ein Jahr später kurzfristiger Lehrgang für Neulehrer, Lehramtsbewerberin für Deutsch, Deutschlehrerin an verschiedenen Schulen, Fernstudium für Deutschlehrer der Mittelstufe mit Staatsexamen, Lehrerin für die Sprachausbildung am Institut für Ausländerstudium (ABF-Dozentin), Attestation Fachlehrer für Deutsch in der Oberstufe, Extern-Studentin für Germanistik, Promotion 1961, Lektorin am Herder-Institut, Kommissarische Leiterin der Forschungsabteilung von 1966 bis 69, 1975 Berufung zur außerordentlichen Professorin.

Die Abteilung Erziehung und Ausbildung (E/A) – die Reihenfolge war nun wieder typisch DDR – hat aus meiner Sicht außer der erfolgreichen Unterrichtsarbeit entscheidende Leistungen zu deren Fundierung erbracht:

Kommunikative Orientierung
Der allgemeine Deutschunterricht wurde am Institut in hohem Maße von dem verbindlichen Lehrbuch „Deutsch für Ausländer“ bestimmt. Dieses Lehrbuch begann sich ‚als blaues Wunder’ schnell international zu etablieren. Es erlebte bis zur Wende -zig Auflagen, fast zwei  Millionen Exemplare wurden verkauft, sogar eine gekürzte Fassung in Japan. Ende der 60er Jahre erreichte dieses Standardbuch durch seine konsequente kommunikative und kognitive Orientierung neues Profil. Die anderen Autoren mögen es mir verzeihen, wenn ich Gertraud Heinrichs Anteil an der Durchsetzung des kommunikativen Ansatzes hervorhebe. Sie war es, die in ihrer Dissertation die sprachliche Vorbereitung ausländischer Studierender von den kommunikativen Anforderungen im ersten Studienjahr her begründete, wenngleich die Begriffsbezeichnung noch nicht gängigwar. Das war zur damaligen Zeit eine grandiose Leistung, so brüchig sie auch daherkam. Sie regte eine ganze Reihe von Untersuchungen an, die zur Profilierung des spezifischen Unterrichts beitrugen, sei es durch Präzisierung der Zielstellungen, sei es durch Entwicklung von adäquaten Lehr- und Lernmaterialien. So gesehen, gehört das Herder-Institut zu den Mitbegründern der kommunikativen Orientierung des Fremdsprachenunterrichts. Dabei will ich mein Licht und das von Dr. Hermann Petzschler nicht unter den Scheffel stellen, denn mit unseren Dissertationen zur Entwicklung der Lesefertigkeit einerseits und der Hörfertigkeit andererseits wurden wichtige Bausteine zur Fundierung dieser kommunikativen Ausrichtung geliefert. Bis heute wird meine Differenzierung der Lesearten zitiert, die Einteilung der Lesearten wurde auch vom Goethe-Institut übernommen, später sicherlich durch eine womöglich bessere ersetzt, das ist der Gang der Dinge, nur dass die Zentrale Oberstufenprüfung des GI das laute Lesen als Prüfungsgegenstand beibehielt, verstehe ich nicht. Als ich ans Institut kam, wurde das Leseverstehen einzig und allein mittels lauten Lesens geprüft. Es war keine geistige Riesenleistung nachzuweisen, dass stilles und lautes Lesen wenig miteinander zu tun haben und leidlich befriedigendes lautes Lesen auch ohne Verstehen möglich ist.

Die Crux war nur, das Lehrbuch „Deutsch für Ausländer“, dessen Autorenkollektiv  zuerst von Alexander Porz und danach von Hans Lindner über Jahrzehnte geleitet wurde und in den 60er Jahren zunächst eine brauchbare Basis für den allgemeinen Sprachunterricht darstellte, wurde vom Verlag Enzyklopädie von Anfang an mit Blick auf den Verkauf im Ausland hergestellt. Da musste einfach die Spezifik des Deutschunterrichts in E/A zurückgedrängt werden. Aus diesem Grunde wurde Anfang der 70er Jahre am Institut das Lehrwerk „Deutsch intensiv“ unter der Leitung von Maria Kübler erarbeitet. Es übernahm vollständig das von Anita/Hermann Petzschler und Marianne/Martin Löschmann erarbeitete Aufgaben- und Übungssystem für die Entwicklung des verstehenden Hörens und des verstehenden Lesens. „Deutsch intensiv“ entsprach natürlich viel besser den spezifischen Anforderungen der sprachlichen Vorbereitung ausländischer Studierender. So wurden in den ersten Lektionen bewusst solche Alltagssituationen erfasst, die den ausländischen Studierenden die Eingewöhnung in der DDR erleichtern sollten und konnten. Allerdings schoss „Deutsch intensiv“ mit seiner strikten Programmierung aller Stunden auf der Grundstufe weit über das Ziel hinaus, schon allein deshalb, weil damit die Heterogenität der Lernenden sowie der verschiedenen Lernergruppen ignoriert wurde. So sehr man betonen muss, dass das Herder-Institut didaktisch-methodisch eigene Wege ging, so wenig soll der Eindruck erweckt werden, es sei von den gängigen Entwicklungen unbeeinflusst geblieben. Die Pattern-Praxis z.B. wurde in dem eigenen didaktisch-methodischen Konzept kritisch aufgehoben, auch Elemente der audio-visuellen Methode.

Verbindung von allgemeinsprachlicher und fachsprachlicher Ausbildung

Eine zweite Leistung besteht für mich in der engen Verbindung der Entwicklung allgemeinsprachlicher und fachsprachlicher Kommunikationskompetenz. Das war nur dadurch zu erreichen, dass erstens die Fachlehrer für Biologie, Chemie, Gewi (Gesellschaftswissenschaften), Mathematik, Medizin und Landwirtschaft, Physik ab Mitte der 60er Jahre ein innovatives Zusatzstudium Deutsch als Fremdsprache absolvierten und zweitens der Fachsprachenunterricht am Institut durch entsprechende wissenschaftliche Arbeiten grundiert wurde: Die Dissertationen von Walter Burska, Jürgen Fechner, Inge Jank und Hans-Georg Jank, Lothar Kaiser, Fritz Kempter, Stefan Köpf, Arwed Kramer, Manfred Pudszuhn, Dieter Schaar u.a. (alphabetische Reihenfolge) seien an dieser Stelle genannt. Mit dem Zusatzstudium wurde erstmalig ein wenn auch verkürzter DaF-Studiengang initiiert, der in der Folge jedoch leider nicht zu einem eigenständigen Studiengang Deutsch als Fremdsprache ausgebaut wurde. Die wissenschaftlichen Arbeiten profitierten natürlich vom hohen Stand der Fachsprachenforschung in Leipzig, der sich mit dem bedeutendsten Fachsprachenforscher in der DDR, Prof. Lothar Hoffmann verbindet (vgl. sein Hauptwerk „Kommunikationsmittel Fachsprache“) und den Arbeiten, die zur fachsprachlichen Lehre und Forschung an der Technischen Universität Dresden entstanden.

Die Verbindung von allgemein- und fachsprachlicher Ausbildung führte in den 60er und 70er Jahren zu Fachsprachlehrbüchern, die in einer Arbeit von 2008 erwähnt werden.* in den 80er Jahren schließlich zur Erarbeitung des KLL (Komplexes Lehr- und Lernmaterial). Mitarbeiter von E/A, die ihre Unterrichtserfahrung direkt und die Ergebnisse wissenschaftlicher Arbeiten einbrachten, und Mitarbeiter der Forschungsabteilung, die ebenfalls über Unterrichtspraxis DaF verfügten und zu deren wissenschaftlichen Fundierung beigetragen hatten, schufen in engster Kooperation verschiedener Arbeitsgruppen Lehr- und Lernmaterialien für den allgemeinsprachlichen wie für den fachsprachlichen Unterricht. Dabei ging die Einführung und Einübung grammatischer Strukturen einerseits und die Entwicklung der vier Fertigkeiten im ASU (Allgemeinsprachunterricht) andererseits in der Regel voran und wurde im jeweiligen FSU (Fachsprachunterricht) spezifiziert und ausgebaut, so dass insgesamt eine ausreichende Studierfähigkeit ausgebildet werden konnte: das Hörverstehen schloss Fertigkeiten zum Mitschreiben in Vorlesungen, das Leseverstehen Fertigkeiten des Konspektierens und Exzerpierens ein. Im Ergebnis dieser engen Verzahnung von allgemeinsprachlichem und fachsprachlichem Unterricht entstand das Lehrwerk „Deutsch komplex. Zur Studienvorbereitung für Ausländer“ unter der Gesamtleitung von Dr. Fritz Kempter.

In der Bundesrepublik wurde die Fachsprachendiskussion in Bezug auf Deutsch als Fremdsprache erst zu Beginn der 80er Jahre intensiviert, ausgehend von den Fachhochschulen, weitgehend ignoriert von den Lehrgebieten der Universitäten und nur zögerlich aufgegriffen von den Studienkollegs. Es gab keinen vernünftigen Grund, den vom Herder-Institut eingeschlagenen Weg nach der Wende nicht aufzugreifen und weiter zu entwickeln. Freilich hätte man dazu in die fachsprachendidaktische Ausbildung von Fachlehrern investieren müssen. Dr. Manfred Pudszuhn, Mitarbeiter von E/A und in den 80er Jahren zum Leiter einer Entwicklungs- und Forschungsgruppe innerhalb des Wissenschaftsbereichs Methodik bestellt, hat sich nach der Wende bemüht, die am Herder-Institut erkundeten Pfade weiter zu verfolgen und auf die gegebene Situation anwendbar zu machen. Er scheiterte ganz einfach daran, dass er keine Arbeitsstelle auf diesem Gebiet fand, von der aus er an der Profilierung des Fachsprachenunterrichts in den Studienkollegs hätte weiterarbeiten können. Welch eine Vergeudung von Entwicklungs- und Forschungskompetenz in seinem wie in vielen anderen Fällen.

 

Das phonetische Prinzip

Ein drittes Beispiel möchte ich anführen, das erhellen kann, dass es eine durchaus produktive Verwobenheit von Forschung und E/A, von Forschung und Entwicklung gab. 2008 las ich in der in der FAZ: „Gerhard Helbig, der 1969 zum ersten Professor für Deutsch als Fremdsprache im gesamten deutschsprachigen Raum berufen wurde, hat die wissenschaftliche Tradition des Faches geprägt und die besondere Leipziger Variante des Faches begründet: die Beschäftigung mit der Grammatik der deutschen Sprache im Unterricht des Deutschen als Fremdsprache und die besondere Berücksichtigung der Phonetik. Bis heute gehören die Module für Phonetik, die das Herder-Institut für die neuen Bachelor- und Master-Studiengänge entwickelt hat, zu seinen Alleinstellungsmerkmalen.“ (Heike Schmoll) Der Würdigung der Leistungen von Prof. Helbig könnte man voll zustimmen, wenn ihm nicht das Alleinstellungsmerkmal Phonetik zugeschrieben wäre, denn, soweit ich sehe, hatte Prof. Helbig mit der Durchsetzung und Qualifizierung der phonetischen Arbeit am Herder-Institut wenig zu tun. Dieses Verdienst kommt unstrittig Frau Dr. Helga Dieling zu. Sie, die langjährige Lehrerin in E/A, dann Mitarbeiterin  einer selbständigen Arbeitsgruppe in der Forschungsabteilung (Leiterin Dr. sc. Ursula Müller), hat sich aufopferungsvoll und leidenschaftlich für den Phonetikunterricht und seine wissenschaftliche Fundierung eingesetzt. Sie hat dafür gesorgt, dass im Unterricht und in den Lehrbüchern des Instituts die Phonetik einen gebührenden Platz einnahm. Sie hat uns mit Beharrlichkeit und Durchsetzungsvermögen von der Rolle der Phonetik im DaF-Unterricht überzeugt, zu einer Zeit, in der die phonetische Komponente im Fremdsprachenunterricht in deutschen Landen und in ihren Lehrbüchern noch weithin unterschätzt wurde. Widerstände waren zu überwinden, denn es gab durchaus Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die die Phonetik an den Rand der Ausbildung drücken wollten. Ich kann mich noch gut an so manchen Streit erinnern, der gelegentlich auch heftig war, weil sie – oft völlig zu recht – an vielen Ecken und Enden eine Unterschätzung ihres Faches am Institut witterte. Helga holte Ursula Hirschfeld ans Institut, heute Prof. Dr. phil. habil. am Institut für Sprechwissenschaft und Phonetik an der Universität Halle, auch Kerstin Reinke, die Anfang der 80er Jahre kam und sich nach der Wende habilitierte. Für mich ist das Wirken von Dr. Helga Dieling ein Beweis dafür, wie viel leidenschaftliches Engagement für die eigene Disziplin unter den gegebenen Bedingungen vermochte. Obwohl Helga Dieling nur durch die „einfache“ (!) SED-Mitgliedschaft „belastet“ war, verlor auch sie ihren Arbeitsplatz am Herder-Institut, sie konnte es einfach nicht fassen, hat aber nicht aufgehört, bis zu ihrem Tode weiter auf diesem Gebiet zu publizieren – zusammen mit Ursula Hirschfeld und Kerstin Reinke. Das Verhalten dieser beiden zu ihrer ehemaligen Leiterin in der Wendezeit sollte erinnert werden. Vielleicht erklärt mir mal irgendwann noch jemand, warum selbst dieser Wissenschaftsbereich abgewickelt werden musste.

 

Erste Schritte zum Computer gestützten Unterricht

Leipzig: Herder-Institut – Bestandteil des Mathematikunterrichts am Herder-Institut der Karl-Marx-Universität ist die Ausbildung am Computer. Zweimal wöchentlich lernen vor allem die ausländischen Studenten, die sich auf ein medizinisches, landwirtschaftliches, ökonomisches und technisch-naturwissenschaftliches Studium vorbereiten, die Grundlagen für den Umgang mit dem Computer kennen. Diesen Unterricht erteilt Helmut Stolba, Lehrer im Hochschuldienst (ADN-ZB Grubitzsch 30.1.89, Originaltext)

Ich will ein letztes Beispiel geben, das zeigt, welche Entwicklungs- und Forschungspotenzen in E/A lagen. Am Institut wurde in den letzten Jahren vor der Wende eine von mir geförderte Arbeitsgruppe unter der Leitung von Dr. Jürgen Fechner etabliert, die sich trotz überaus mangelhafter technischer Ausrüstung mit dem heute unter dem Begriff gefassten Computer Assisted Language Learning beschäftigte. Ich gebe zu, was die sich aus Mitarbeitern von E/A rekrutierenden Gruppe zur Einübung des Perfekts in Anwesenheit von Prof. Helbig nach relativ kurzer Anlaufzeit dann vorführte, war noch nicht ausgereift. Die medienspezifische didaktische Durchdringung des Instruments und die wahrlich ungenügende technische Ausstattung ließen elegantere Lösungen noch nicht zu, aber man konnte schon ahnen, welche Potenzen der Computer in sich birgt, den Erwerb einer Fremdsprache zu unterstützen. Deshalb habe ich als Direktor für Forschung die Auflösung dieser Gruppe, die von Prof. Helbig vehement und burschikos gefordert wurde, nicht zugelassen, nach der Wende wurde auch diese Gruppe liquidiert, so dass die zukunftsträchtigen Ansätze nicht weiter verfolgt werden konnten. Dr. Jürgen Fechner aber, der in Leipzig eine kleine, aber erfolgreiche Firma Systemhaus F&E-Soft gründete, publizierte bei Langenscheidt 1994 als Herausgeber „Neue Wege im computergestützten Fremdsprachenunterricht.“

Im weitesten Sinne zu E/A gehörte auch die sogenannte Fortgeschrittenen-Gruppe von Dr. Johannes Wenzel, dem nachwendischen Direktor des Herder-Instituts (in den Professorenstand gehoben), der der studienbegleitende Sprachunterricht an der Universität (Deutsch für Fortgeschrittene) oblag und die eigenständige Lehr- und Lernmaterialien herausbrachte.

 

Radebeul

Und auch auf die Außenstelle in Radebeul mit der berufsorientierten Sprachausbildung und ab 1982 mit der Studienvorbereitung wie am Mutterinstitut müsste näher eingegangen werden, aber ich will und kann mich beschränken, weil meine Ausführungen zu E/A, so begrenzt sie auch immer sein mögen, klar machen, dass ein ganz wesentlicher Teil aus dem Herder-Institut herausgelöst wurde, als die Abteilung E/A in das Studienkolleg Sachsen umgewandelt wurde. Auf jeden Fall war für eine tragende Säule schon mal der Name weg, doch wird im Internet auf der Seite des Kollegs mit Herder geworben: „Im Rahmen der Umstrukturierung der Universität im Jahre 1992 aus dem weltberühmten Herder-Institut in Leipzig hervorgegangen“, „an dem sich schon viele Generationen von Ausländern erfolgreich auf ein Studium vorbereitet und Deutsch gelernt haben.“ Und wer hat dieses Institut weltberühmt gemacht?
Scan006Radebeul

 

 

Fotos aus einer Gruppe in Radebeul,
übermittelt vom Mathe-Lehrer Siegried Hermann
Sept. 2015

 

 

 

 

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*Niina Lepa & Katrin Koorits (Tartu), E-teaching und Fachsprachenvermittlung im Rahmen der BA/MA-Umstellung: Die Auslandsperspektive zwischen Tradition und Neubeginn am Beispiel Tartu/Estland. In: Closta, Christoph et al. (Hg.), Auf neuen Wegen …, Göttingen: Universitätsverlag 2008, 221 -225, S. 221
„1. Tradition des Fremdsprachenunterrichts und die gegenwärtige Situation
Die Fachsprachenvermittlung des Deutschen als Fremdsprache erfreut sich an der Universität Tartu einer langen Tradition, die in den 60er Jahren begann und ohne Unterbrechungen bis heute fortgesetzt wird. Lange Jahre dienten uns als die wichtigsten Unterrichtsmittel die Fachsprachen-Lehrbücher aus der DDR.“
Anmerkung dazu: „Als Beispiel seien hier zwei Lehrbücher des Herder-Instituts angeführt:
Dinter, W. u.a., Deutsch. Ein Lehrbuch für Ausländer. Chemie. Leipzig 1975.
Fiedler,M. u.a. Deutsch.Ein Lehrbuch für Ausländer IIA. Leipzig 1968.“

 

 

 

  1. Hans Lindner permalink
    März 1, 2011

    … natürlich habe ich schon einen Blick auf den herderblog geworfen. Oder besser gesagt: Ich habe alle Seiten ausgedruckt und dann ausführlich studiert. Und ich muss sagen: Ich habe noch nie eine so hervorragende Zusammenfassung der vom „alten“ Herder-Institut geleisteten Arbeit gelesen, einschließlich der kritischen und selbstkritischen Passagen und der offenen Worte zur Abwicklung des Instituts.

    Das schließt nicht aus, dass einiges mich sehr verletzt hat. Es geht weniger um das Gesagte als um das Nicht-Gesagte. Es geht auch weniger um die nicht erwähnte Sprachpraxis, sondern ich als langjähriger Leiter des Autorenkollektivs von „Deutsch-Ein Lehrbuch für Ausländer“ drücke meine Verwunderung aus, dass dies die einzige Veröffentlichung des Herder-Instituts – und dazu noch das Standardbuch – ist, bei der Du das Autorenkollektiv – aus welchen Gründen auch immer – verschwiegen hast. Bei „Deutsch intensiv“ wird jedoch darauf hingewiesen, dass es unter der Leitung von Maria Kübler erarbeitet worden ist.

    • Martin Löschmann permalink*
      März 1, 2011

      Lieber Hans,
      da hast völlig recht, wer z.B. Maria Kübler nennt, muss vorher schon lange Hans Lindner genannt haben. Entschuldige, wie konnte ich deinen Namen vergessen zu erwähnen, haben wir doch über einen bestimmten Zeitraum die Erarbeitung von Teil 2 sogar zusammen geleitet. Doch der Schaden ist schnell behoben. Dein Name wird eingefügt.

  2. Helmut König permalink
    März 13, 2011

    Dein Blog hat mich schon überrascht. Nach so langer Zeit von dir etwas zu lesen, wer hätte das gedacht. Wie es auch sei, die Anregungen in „Neue Diskussion über das alte Herder-Institut“ haben mich überzeugt. Ich werde den Blog weiter verfolgen und zur gegebenen Zeit einen Beitrag zum Studentensport einbringen, auf den du ja kurz eingehst. Vorher möchte ich mich nochmal mit Werner und Heini kurzschließen, denn die beiden waren vor meiner Zeit schon auf diesem Gebiet tätig. Ich will das mit der gebotenen Bescheidenheit tun, aber der Sport war von Anfang an ein Bestandteil bei der Ausbildung der ausländischen Studierenden am alten HI. Ich halte das durchaus für bemerkenswert, weil es eben genauso war.
    Ich hatte mir schon immer darüber Gedanken gemacht, warum es bisher niemand unternommen hat, der in dieser oder jener Weise zu den Leistungen am HI beigetragen hat, also zu dem, was vom alten Institut bleibt, bevor es durch seine Dreiteilung nach den gesellschaftlichen Umbrüchen gewissermaßen „aufgelöst“ wurde. Es musste meiner Meinung nach etwas Fundiertes sein, damit „zeitgenössischen “ Darstellungen etwas auf die Sprünge geholfen wird. Natürlich konnte das nur jemand mit einer bestimmten Reputation und genauer Kenntnis der Materie DaF – im engeren und weiteren Sinne – sein. Außerdem warst Du ja lange genug dabei, um die Sache historisch und fachlich neu zu beleuchten.
    Die Gramkow-Dissertation hatte ich mir schon vor längerer Zeit (offensichtlich vor Dir!) zu Gemüte geführt und  den  Eindruck gewonnen, es handelt sich um eine Diplomarbeit. Na ja, so schlimm war‘s auch wieder nicht. Die Quellen sind korrekt ausgewiesen. Da hat man in diesen Tagen schon Schlimmeres erlebt.
    Ich finde es wie Du auch richtig, dass es überhaupt nicht um Nostalgie gehen kann. Es sollte eine Aufarbeitung sein, die der Wahrheit sehr nahe kommt und an der sich viele beteiligen sollten, um das auch so zum Ausdruck kommen zu lassen.

    Nun noch schnell zu mir: Über Horst Ziebart seid  Ihr sicher ganz gut informiert worden und habt erfahren, dass ich mich nach einjähriger Arbeitslosigkeit praktisch ohne reale Arbeitsmöglichkeit – nochmal auf die Schulbank gesetzt habe, um mich zum
    Sporttherapeuten qualifizieren zu lassen. Meinen 50. Geburtstag habe ich dort begehen müssen. Später habe ich dann an einer Leipziger Reha-Klinik gearbeitet.
    Ich habe gleichsam den Sport von zwei Seiten kennengelernt, einmal mehr leistungsorientiert und andererseits als Therapeut, um die Gebrechen jüngerer und älterer Patienten auskurieren zu helfen, was manchmal sehr langwierig sein kann. In solch eine Situation kann man schneller geraten als man denken kann. Das war für mich auch eine neue Erfahrung! Einen Vorteil hat das Ganze: Ich kann jetzt jeden Arztbrief lesen. Gut, Du auch, aber ich kann ihn auch verstehen.

  3. Martin Löschmann permalink*
    März 14, 2011

    Das „Literarische Sonderheft“ scheint von uns beiden vergessen zu sein.

    • Hans Lindner permalink
      Mai 9, 2011

      Vergessen habe ich natürlich das Sonderheft nicht, nur ich war in meiner Redakteurzeit nicht damit befasst. Was hätte ich außer einigen Allgemeinplätzen darüber sagen können. Also schwieg ich, zumal ja auch bei mir das eine oder andere in Vergessenheit geraten ist. Vielleicht wissen ja andere noch mehr: Gisela Fleischer, Lothar Schmidt auch Lutz Richter, der allerdings nur eine relativ kurze Zeit als wissenschaftlicher Betreuer dieses Heftes tätig war. Detaillierte Aussagen könnte Prof. Schubert (Sektion Germanistik und Literaturwissenschaften) machen, der sehr lange das Literarische Sonderheft wissenschaftlich begleitet hat. Doch leider weilt er nicht mehr unter den Lebenden.

  4. Ursula Hirschfeld permalink
    Juni 10, 2011

    Martin Löschmann hat mich angeschrieben und auf herderblog.net aufmerksam gemacht. Zum Beitrag über die Phonetik am Herder-Institut möchte ich Folgendes anmerken:

    1. Das größte Verdienst bei der Entwicklung der Phonetik im Bereich Deutsch als Fremdsprache kommt bis zum Anfang der 1990er Jahre unstrittig Dr. Helga Dieling zu, die in Halle ein Sprechwissenschaftsstudium abgeschlossen hatte und über sehr gute fachliche und methodische Grundlagen verfügte. Ihr standen, bevor ich 1975 ans Institut kam, Edith Schramm und Lothar Schmidt zur Seite. Verstärkung hielt der Bereich später noch durch Dr. Ursula Müller und Kerstin Reinke, zwischenzeitlich und kurzzeitig auch durch weitere Absolventen der halleschen Sprechwissenschaft.

    2. Prof. Helbig hat die Entwicklung der Phonetik durchaus unterstützt. Er hat mich bei der Anfertigung der Diss. B (eingereicht 1989) unterstützt und diese auch begutachtet, er stand in beiden Verfahren – auch während der Arbeit an der Diss. A – für zahlreiche gute und wichtige Gespräche zur Verfügung. Zudem gab es enge Kontakte zwischen den Linguisten und den Phonetikern, die eine gemeinsame Gewerkschaftsgruppe bildeten und beispielsweise jährlich eine mehrtägige Reisen unternommen und dabei durchaus auch fachliche Dinge besprochen haben. Prof. Helbig hat sich auch dafür eingesetzt, dass die Phonetik im Herausgebergremium der Zeitschrift Deutsch als Fremdsprache vertreten war.

    3. In der Zeit der „Umstrukturierung“ nach 1990 sollte die Phonetikgruppe aufgelöst werden, weil es anderswo so ein Fach im Bereich Deutsch als Fremdsprache auch nicht gab. Gemeinsam mit meinen Mitarbeitern, ich war damals die Leiterin der Gruppe, habe ich dann eine Protestaktion gestartet, und es gingen viele Schreiben von Koll. aus dem In- und Ausland im Sächsischen Kultusministerium und im Rektorat der Universität Leipzig ein. Daraufhin wurden einige Zeitstellen eingerichtet, um die wir uns bewerben mussten, ich bekam die einzige langfristige (sechs Jahre), allerdings gab es keine Verlängerungsmöglichkeit. Doch ich hatte Glück: Pünktlich zum Ablauf kam ein Ruf nach Halle, wo ich mich inzwischen sehr gut aufgehoben fühle.

  5. Marianne Löschmann permalink
    Juli 25, 2011

    Vor-Satz
    Textsortenvielfalt war im Eingangsbeitrag zum Blog ANLIEGEN angemahnt; in diesem Sinne erscheint hier erstmalig eine Realisierung zum Sprachhandlungstyp.

    GLÜCKWÜNSCHE

    Am 27. Juli dieses Jahres 2011 wird unsere ehemalige Kollegin Hanni Kipping 90 Jahre alt. Wir möchten ihr vom Herderblog aus allerherzlichst zum Geburtstag gratulieren und ihr vor allem weiterhin gute Gesundheit und noch viele schöne Lebensjahre wünschen.

    Hanni Kipping kam 1955 ans Herder-Institut, das ja aber damals noch gar nicht so hieß, sondern noch die Abteilung Ausländerstudium an der ABF war, und hat dort viele, viele Jahre erfolgreich in der Abteilung E/A gearbeitet. Sie war ihren Studentinnen und Studenten immer sehr zugetan und diese liebten sie für ihre bei aller pädagogischen Strenge allzeit aufmerksame und aufrichtige mütterliche Herzlichkeit.
    Zweimal wurde sie zu längerfristigen Auslandseinsätzen delegiert: Ab 1972 war sie mit hoher Einsatzbereitschaft für zwei Jahre an der Universität in Budapest als Deutschlektorin tätig, ab 1982 für drei Jahre an der Pädagogischen Hochschule in Hradec Králové.

    Aber sie verstand es nicht nur zu arbeiten, sondern auch zünftig zu feiern. So manches Mal war so mancher von uns bei ihr und ihrem lieben Mann Heinz zu Hause oder auf ihrer Datsche in Kirchmöser, kriegte selbst gesammelte Pilze zu essen und natürlich immer einen kräftigen Trunk. Dazu sagte ihr Mann dann: Nicht verzagen, Heinzelmann fragen.
    Aus ihrer Überzeugung machte Hanni kein Hehl und aus ihrem Herzen keine Mördergrube – so liebten wir sie als Kollegin und Mitstreiterin, so lieben wir sie bis heute als unsere Freundin.

    Alles, alles Gute, liebe Hanni!

    Marianne Löschmann im Namen deiner alten Kolleginnen und Kollegen

  6. Marlit Wenzel permalink
    September 30, 2011

    Zur Landeskunde am Herder-Institut

    Lieber Martin, du fragst, wenn auch – wie üblich bei dir – halb im Spaß, wo mein Kommentar zum Herderblog bliebe. Obwohl ich viele Jahre am Herder-Institut in E/A gern gearbeitet habe, bin ich eigentlich nicht mehr so sehr an Erinnerungsarbeit dieser Art interessiert. Lang ist es her und ich frage mich, was soll es noch nach mehr als zehn Jahren? Damit will ich das Anliegen des Blogs aber nicht generell in Frage stellen, finde wie andere auch, Aussagen von Zeitzeugen wichtig, wenn man eines Tages die Geschichte des Herder-Instituts, fern von ideologischen Belastungen und Aufgeregtheiten, schreiben wird. Und trotz meiner ganz persönlichen Bedenken habe ich natürlich nicht nur einmal in den Blog hineingeschaut. Ich wüsste nicht, was ich noch Neues oder Interessantes schreiben könnte. Allerdings fiel mir auf, dass das heikle Thema Landeskunde unterbeleuchtet ist. Nicht, dass ich mich selbst dazu äußern wollte, aber ich möchte auf eine Diplomarbeit von Frau Marcela Heichlová aufmerksam machen:

    LANDESKUNDE – EIN BESTANDTEIL DES FREMDSPRACHEN-UNTERRICHTS; DIE BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND. Brno 2007 (Leicht zu finden unter dem Namen mit Google oder direkt: http://is.muni.cz/th/184175/pedf_m/M_Heichlova_diplomka.txt.

    Frage mich nicht, wie ich auf diese Arbeit gestoßen bin, ganz zufällig beim Surfen nach einer Angabe über Brno. Das ist ja auch völlig uninteressant. Die Arbeit interessierte mich dann doch. Wir waren als Lehrende am HI ja gehalten, die Studenten zum Besuch der Landeskunde-veranstaltungen zu motivieren und selbst auch immer Landeskunde im Unterricht zu vermitteln. In der genannten Arbeit fand ich folgende, m.E. treffende Einschätzung der DDR-Landeskunde. Leider enthält die Arbeit recht viele Fehler, als alte DaFlerin habe ich sie in dem Zitat korrigiert.

    „Wie ein Wandel der Rahmenbedingungen, die immer von den übergreifenden gesellschaftlich – politischen Faktoren abhängig sind, in der Geschichte des Fremdsprachenunterrichts auch einen Wandel in den landeskundlichen Konzeptionen nach sich zog … Zentraler Begriff der Landeskunde in der DDR war das Landesbild als ‚Widerspiegelung des Objektes Land‘ * Das ‘Landesbild DDR‘ war aber besonders problematisch, weil es ausschlieβlich auf der Grundlage der in DDR herrschenden marxistisch-leninistischen Ideologie angelegt war. Nur die Elemente der Wirklichkeit, die durch den „marxistischen Filter“ passten, wurden in das Landesbild aufgenommen. Was ein ‚wahres Abbild der objektiven Realität‘ sei, bestimmte also letztlich die herrschende Partei. Diese Situation war damals auch bei uns in der Tschechischen Republik. So musste zwangsläufig ein ungenaues, geschöntes, falsches Bild entstehen. Nicht die existierenden Tatsachen waren Grundlage landeskundlicher Kenntnisvermittlung.
    Den wichtigsten Unterschied zwischen der BRD – und DDR-Landeskunde beschrieb Grawe* wie folgt: ‚Während … in den westlichen Ländern die Universitäten weitgehend Lehrfreiheit besitzen und die akademischen Lehrer den Inhalt ihrer Lehrveranstaltungen selbst verantworten, was in der Praxis zu einem eher negativen Bild der Bundesrepublik führt, ist in den sozialistischen Staaten die Universität das Erziehungsinstrument einer staatlich verwalteten Ideologie und Gesellschaftslehre. Sie lehrt deshalb offiziell sanktionierten Lehrstoff und hat daher in der Landeskunde ein bestimmtes Deutschlandbild weiterzugeben, das seinem Wesen nach parteilich ist… Die Gefahr einer solchen Ausrichtung der höheren Erziehung auf eine Staatsideologie zeigt sich besonders dort ,wo die Wirklichkeit dieser Ideologie schon lange ins Gesicht schlägt, so dass der Unterricht sich in wirklichkeitsfremden Leerformeln zu erschöpfen droht – eine Art von ‚Entfremdung‘, die … umso auffälliger ist, je rigoroser die
    staatliche Ideologie sich der Anpassung an die Wirklichkeit verweigert.‘“

    * Herrde/Marnette et. Al, Landeskunde. Überlegungen zu Theorie und Methode. Potsdam: Pädagogische Hochschule 1989 (Hausdruck). („Dieser Hausdruck enthält eine Zusammenfassung des Standes der Landeskundediskussion in der DDR Ende der 80er Jahre). Hochschule „Karl Liebknecht“ Potsdam, 1989, S. 46.
    * Grawe, Chr.: Die kulturanthropologische Dimension der Landeskunde: Zu Verständnis und Kritik des Landeskundebegriffes. In: Wierlacher (Hrsg.): Perspektiven und Verfahren interkultureller Germanistik. München: Judicium 1987, S. 464.

  7. M.P. permalink
    Oktober 23, 2018

    … Ach ja, ich bin doch noch als Mathe- und Physiklehrer auch Leser von“ MNU journal , Verband zur Förderung des MINT – UNTERRICHTS“ . Da geht es z.B. in Jahrgang 71 05/2018 um DAZ-Methoden im Fachunterricht Mathematik. Man beginnt fast dort, wo wir 1962 begonnen haben. Da heißt es unter „Erfahrungen und Ausblick“ eines Artikels: „ Die Erfahrungen aus dem alltäglichen Unterricht, die Gespräche mit den Schüler/innen aus dem Pilotprojekt sowie … sprechen dafür, dass der Einsatz von DaZ-Methoden im Fachunterricht Mathematik einen positiven Einfluss auf die Mathematik Leistungen im Allgemeinen und den (Fach-)Spracherwerb im Besonderen haben kann. Jedoch liegen uns zum jetzigen Zeitpunkt keine empirischen Belege für die Wirksamkeit des hier dargelegten Gesamtkonzepts vor.“
    In den Literaturangaben, die umfangreich sind , gibt es keinerlei Hinweise über unsere Forschungen und Entwicklungen.

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